Social Media in kleinen und mittleren Unternehmen: Wenn ja, wie?

Viele Unternehmerinnen und Unternehmer fragen sich, ob es für sie sinnvoll ist, die neuen Medien für ihre Firmen zu nutzen. Auf diese Frage gibt es auch erst ein klares Ja oder Nein, wenn einige grundsätzliche Fragen beantwortet wurden.

Zunächst muss man ein paar Sätze über das „Geheimnis“ von Social Media verlieren. Soziale Medien, was meint „sozial“ in Bezug auf die Nutzung elektronischer Medien? Schauen wir auf uns selbst und unsere Vergangenheit: Von jeher gibt es den Wunsch des Menschen nach Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Gruppen, die ähnliche Interessen und ähnliche Ziele haben, standen immer schon – auch weltweit – miteinander in Verbindung. Zu erwähnen sind hier religiöse Gemeinschaften genauso wie Zusammenschlüsse von Handwerkern, Studentenverbindungen, Logen, Vereine, Verbände und viele mehr. Früher nutzte man eben die reitenden Boten, dann die Telegraphie und die Telefonie.

Mit Anbruch des Computerzeitalters bis heute bieten neue technische Entwicklungen die Möglichkeit, in Bruchteilen von Sekunden weltweit miteinander in Beziehung zu treten. Im Internet treffen wir auf Menschen, die sich für uns und unsere Produkte und Dienstleistungen interessieren und darüber mit anderen Menschen reden. Das hat immer schon stattgefunden, nur früher hat man sich beispielsweise auf dem Marktplatz im Ort getroffen und von Mund zu Mund (Word of Mouth) darüber geredet.

Durch das Fortschreiten der technischen Entwicklung ist es nun nicht mehr nötig, aus dem Haus zu gehen. Man sitzt gemütlich im Schlafanzug vor einem internetfähigen Endgerät (PC, Note-/Netbook, smartphone, Tablet-PC) und kann global kommunizieren – mit der Familie, Freunden und Bekannten oder mit Menschen, die ähnliche Interessen haben und sich in so genannten Communities befinden.

Man schreibt Briefe heute nicht mehr im Wechsel, sondern in Echtzeit (chatten) und nutzt das Internet als Bild-Telefon (Skypen). Noch vor 30 Jahren hat ein Großteil der Schüler nie den Heimatort verlassen, man machte eine Ausbildung, blieb im Ausbildungsbetrieb, gründete eine Familie, baute ein Haus und blieb. Heute ist das ganz anders. Schüler aller Jahrgangsstufen und Schulformen sind international auf Klassenfahrten unterwegs und haben Gelegenheit, im Rahmen des Schüleraustauschs Auslandserfahrungen zu sammeln. Und wenn das Kind in Australien ist, ist es schon nett, zu sehen und zu hören, dass alles okay ist – über Skype und Facebook kein Problem. Die Kids „posten“, was sie gerade machen. Man kann – wenn man Zeit und Lust hat – auf Facebook nachschauen und weiß, was gerade angesagt ist …

Wie kann man nun als Unternehmen von dieser „sozialen“ Entwicklung profitieren und daran teilhaben? Der kleinste Schritt ist es, eine eigene Internet-Präsenz zu haben, um überhaupt im Internet auffindbar zu sein. Das ist heute Standard – genau wie die gedruckte Visitenkarte. Die Internet-Präsenz muss natürlich auch „gefunden“ werden können, wenn potenzielle Interessenten eine Stichwort-Suche über eine Suchmaschine wie google oder bing starten. Konzeptioner und Programmierer machen sich in der Regel schon beim Aufsetzen einer Website Gedanken über eine Suchmaschinen-Optimierung, die im Wesentlichen über die Verwendung bestimmter Schlüsselbegriffe (Keywords), einer Menüstruktur und Verlinkungen zu anderen Websites funktioniert.

Der nächste Schritt ist ein eigenes Profil in Business-Netzwerken wie XING oder LinkedIn, hier kann man sowohl eine Unternehmenspräsenz anlegen wie auch eine persönliche. Hier liefert man potenziellen Interessenten erste Informationen über den persönlichen Werdegang und kann sich ein erstes berufliches Netzwerk aufbauen. Diese Netzwerke bieten sich insbesondere auch für Personalabteilungen an, sie erlauben einen ersten Bewerber-Check und können für Stellenausschreibungen und Bewerber-Kommunikation eingesetzt werden.

Der Schritt zum Social Media Marketing ist Schritt drei: Moderne Websites bieten heute zahlreiche Interaktionsmöglichkeiten – vom Produktinformations-Download über Echtzeit-Chat in der Reklamationsbearbeitung und viele mehr. Profile in den einschlägigen Netzwerken wie Facebook, YouTube, twitter etc. anzulegen und zu pflegen, ist ebenso einfach wie empfehlenswert.

Schwierig ist es, permanent Inhalte – also Botschaften – bereit zu halten (Content zu posten) und dafür zu sorgen, dass im Netz über diese Botschaften geredet wird, aber auch zu kontrollieren, WAS geredet wird, um bei Negativ-„Gerede“ sofort eingreifen zu können (virales Marketing).

Die Inhalte an sich und die Geschwindigkeit, mit der sie sich verbreiten, sind die Hürden, an denen Unternehmen oft scheitern, weil sie dafür kein ausgebildetes Personal haben, weil sie sich zu wenig mit Inhalten auseinandersetzen, weil die Entscheidungsbefugnis in der Kommunikation fehlt etc.  Trotzdem gilt es, dabei zu sein: Es ist auf jeden Fall ein guter Anfang, den Unternehmensfilm oder kleine Produktfilme auf YouTube einzustellen. Die Produktion von so genannten Webvideos ist kein großer Budgetpunkt. Priorität liegt hier auf einer perfekten Tonqualität. Youtube ist mittlerweile nach google die zweitgrößte Suchmaschine der Welt.
Außerdem ist es sehr leicht möglich, auf jede Homepage die Weiterempfehlungs-Buttons für Facebook, Youtube, Twitter etc. einzubinden. Damit gibt man potenziellen Homepage-Besuchern (Visitors) die Möglichkeit, in ihrem Netzwerk das Unternehmen zu empfehlen und zu sagen „Schau mal hier, die haben einen Top-Service“. Und das birgt auch gleich die wichtigste Voraussetzung für Web 2.0: Bin ich es, ist es mein Unternehmen, wert, dass Menschen darüber positiv reden mögen? Biete ich denn überhaupt den besten Service, habe ich die zufriedensten Mitarbeiter, ein tolles Betriebsklima, Top-Produkte oder Dienstleistungen?

Wenn Sie sicher sind, dass diese Fragen mit „Ja“ beantwortet werden, können Sie auch davon ausgehen, dass über Sie gesprochen wird – im positiven Sinne. Sie kennen es selbst: Wenn sich bei Ihnen jemand bewirbt, der gehört hat, dass bei Ihnen ein gutes Betriebsklima herrscht, dann ist schon über Sie geredet worden und es ist nur noch ein ganz kleiner Schritt, diese Information über die sozialen Netzwerke zu verbreiten.

Neben der Beschäftigung mit sich selbst darf die Beschäftigung mit dem „Markt“ nicht zu kurz kommen: Sind meine Kunden überhaupt auf XING, Facebook, YouTube etc. aktiv? Eine Zielgruppenanalyse ist das A und O für alle weiteren Aktivitäten und genau darauf müssen Unternehmen  ihre Kommunikation ausrichten. Sie müssen wissen, wie ihre Kunden sich verhalten, sie müssen ihre Kunden und deren Gewohnheiten sehr genau kennen und sie müssen wissen, wo sie ihre Kunden antreffen, dann ist die Entscheidung „Social Media, ja oder nein“ ganz leicht. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie sich mit Begeisterung an die neuen Medien heranwagen.
(veröffentlicht u. a. in: http://www.njuuz.de/beitrag12664.html)

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *